angedacht

Was mich bewegt                                                                                                             Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen  kommt, und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann; alles ist austragen –  und dann geboren… Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den  Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte.

Er kommt…!                                                                                                                       Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so  sorglos still und weit. Man muss Geduld haben, gegen das Ungelöste im Herzen, und  versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben, und wie Bücher,  die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Es handelt sich darum, alles zu  leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken,  eines fremden Tages in die Antworten hinein.                                                                    von Rainer Maria Rilke

Mit solcher Gelassenheit und mit der Zusage, von der die Jahreslosung  2017  redet, ohne Furcht zu leben im neuen Jahr und in allem, was vor uns liegt, wünsche ich uns allen von Herzen,

Ihre/Eure Friederike Jaeger

     „Gott spricht: Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch“

Jahreslosung 2017

Thema

Mein Freiwilligendienst in der Ukraine (Teil II):

Nun ist schon bald die Hälfte meiner Zeit in Transkarpatien um und inzwischen sind mir die Gegend und vor allem die Menschen hier sehr ans Herz gewachsen. Ich bin schon ein wenig herumgekommen und es ist sehr spannend, so nach und nach „den Osten“ zu entdecken, aber ich bin auch sehr gern einfach hier in der kleinen Stadt Beregszász, in meinem Alltag, der voller berührender Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen ist. Da sind zum Einen die Kinder in der Roma-Schule, zum Anderen die alten Damen und Herren, die ich besuche; und schließlich all die Leute in der Stadt und die Kinder und Erwachsenen, denen ich in der Kirchgemeinde begegne.

Und je mehr Geschichten ich höre, desto mehr verstehe ich von dem Leben hier. So reich es an der Vielfalt der verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen ist, so sehr wird es auch von großen, oft erschreckenden Gegensätzen bestimmt, die ein Blick auf die Straßen in sehr anschaulicher Weise widerspiegelt: Dort fahren klapprige Ladas und einfache Fords neben geräumigen Familienautos, Pferdekutschen und teuren BMWs. Und auch das Leben in der Kirchgemeinde ist geprägt von diesen sozialen Unterschieden – auf der einen Seite die reich gedeckten Festtagstische und gut gefüllte Geschäfte; auf der anderen Seite die bettelnden Roma um die Kirche herum und die Alten, die sich ständig um Rente und Heizkosten sorgen müssen. Aber dann gibt es da doch auch immer wieder diesen starken Zusammenhalt und es ist beeindruckend, was die Menschen hier trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage auf die Beine stellen und wie viel Kraft der Glaube ihnen dabei gibt. Die älteren Menschen zum Beispiel bekommen viel Unterstützung von den Diakonen der Gemeinde und einige von ihnen auch zweimal wöchentlich ein warmes Mittagessen, aber auch für die Kinder tut die Kirche viel: So gibt es hier eine Stiftung, die Waisen an Pflegefamilien vermittelt und im Dezember hat der christliche Radiosender eine Schuhkartonaktion organisiert, bei der Menschen aus der Stadt Weihnachtspäckchen für Kinder in schwierigen Verhältnissen gesammelt haben. Es ist etwas Besonderes, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und mit der Zeit mehr zu werden, aber ich merke auch immer wieder, wie gut es mir tut, mit meiner Familie und Freunden und Heimatgemeinde verbunden zu sein. So war es sehr schön, dass meine Mutter und meine Brüder Heinrich und Konrad mich in den Tagen um Sylvester besucht und so viele liebe Grüße mitgebracht haben. Danke für all Ihre und Eure Unterstützung; für alle guten Gedanken und Gebete!

Herzliche Grüße aus der Ukraine,

Ihre und Eure Elisa Jaeger